Jahreslosung 2022: Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37

War so ein Satz, solch eine Einladung wirklich nötig? Vorausgesetzt, man hat das ganze Kapitel Johannes 6 gelesen, sollte man doch eigentlich meinen, nein. Denn die Beteiligten sind ja umgeben, geradezu eingehüllt, im wahrsten Sinn des Wortes, satt an Taten, Wundern und Zeichen von Jesus.

Jesus hat dort Kranke geheilt, 5000 gespeist, ist über das Wasser gegangen, hat motiviert, gecoacht und Hoffnung gestiftet. Allein die heilende Leistungsbilanz Jesu wäre in Pandemie-Zeiten sicher mit der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt worden. Doch, so wie auch heute ein allgemeines gesellschaftliches Misstrauen jedwedem „Besonderen“ gegenüber zu spüren ist, waren auch damals die Menschen, trotz all der greifbaren Zeichen und Wunder kritisch, gespalten, unsicher, fragend und sogar ideologisch feindlich. Jesus erkennt das und eröffnet mit diesem Jahreslosungsvers eine ganz neue Perspektive. All das Gesetzliche, das Anfassbare, das Praktische, das konkrete Not Lindernde wird nicht nebensächlich, tritt aber in den Hintergrund. Er beweist, belegt oder dokumentiert nichts, nein er bleibt ganz bei Gott seinem Vater und sich selbst. Er lässt den Raum der reinen Erkenntnis- und Wissensorientierung hinter sich und setzt auf einladendes Vertrauen und Glauben, öffnet damit eine Tür zu seinem Himmelreich, letztlich zum ewigen Leben. Dabei lädt er nicht nur ein, sondern gibt quasi eine Werksgarantie ab:
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Spätestens an dieser Stelle frage ich mich, als jemand der ein Leben lang auf Erkenntnisgewinn geeicht war, wo ich gestanden hätte? Wäre dieser göttliche Perspektivwechsel von den konkreten Wundertaten zum Glauben für mich überzeugend gewesen? Ehrlich, ich denke nicht.
Einen Gedanken weiter wird mir klar, dass eben diese, meine skeptische Unsicherheit, das Problem trifft. Jesus wollte nichts beweisen. Er lädt ein. Einer Einladung kann ich folgen. Tue ich das nicht, bleibt mir alles hinter der Einladungstür verschlossen. Ohne meine Initiative, meine Aktivität, vielleicht auch nur Neugier dieser Einladung zu folgen, gibt es auch keinen Erfahrungs- und Erkenntnisgewinn, kein Wachstum.

Das Besondere an dieser Einladung ist, im Gegensatz zu meinen Vorstellungen von Einladungen, dass keinerlei Voraussetzungen erfüllt sein müssen, keine Garderobe- oder Verhaltensregeln, keine Zeit- oder Ortsangaben, keine Aus- oder Einschlusskriterien, nichts dergleichen. Es ist eine Einladung an alle Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort dieser Welt, gestern und heute, damals und morgen. Eigentlich unglaublich, denn das schließt die Bittenden, die Fordernden, die Zweifler, die Klagenden, die Trauernden, die am Boden Zerstörten, die unheilbar Kranken genauso wie die Fröhlichen, auf dem Gipfel stehenden, und Hoffnungsvollen ein, dich und mich natürlich auch.

Ich freue mich sehr für uns, dass das Neue Jahr 2022 mit dieser erinnernden, fortwährenden Einladung von Jesus beginnt. Ich wünsche mir für dich und mich, dass wir sie annehmen können. Vertrauen und Glauben ist nichts Abstraktes, sondern passiert konkret jetzt, heute, hier oder eben leider auch nicht. Wir können frei entscheiden.

PS: Übrigens, wenn ich es mal mit meinem Glauben nicht so leicht habe, erinnere ich mich an Blaise Pascal, den großen Mathematiker und seine Pascal‘sche „Wette“: Ich wette, dass es Gott gibt. Dabei habe ich viel zu gewinnen und wenig zu verlieren. Wenn ich wetten würde, dass es Gott nicht gibt, hätte ich nichts zu gewinnen und viel zu verlieren.
Ich wünsche euch allen ein segens-und erfahrungsreiches Jahr 2022.

Euer Jürgen Kraetzig